Fahrbericht: 2006er Corvette Convertible

Im Rahmen einer Werbeveranstaltung von Corvette Europe, den so genannten Driving Days, bietet sich die Möglichkeit eine einstündige Probefahrt mit dem 2006er Modell der Corvette C6 durchzuführen. Kurzerhand rief ich an und meldete mich für diese Testfahrt an.

Überpünktlich betrete ich das Autohaus am vereinbarten Tag und sofort umgibt mich eine freundliche und warme Atmosphäre. Sämtliches Servicepersonal einschließlich aller Instruktor, welche als Beifahrer der Testfahrt beisitzen, sind gut gelaunt und sehr freundlich. Nach der Anmeldung und einer Signatur, nehme ich meine Teilnehmerkarte entgegen und die nett lächelnde Empfangsdame bittet mich noch um etwas Geduld.

Nach entspannter Wartezeit ist es endlich so weit. Mein Instruktor begrüßt mich und bietet mir sofort das „du“ an, was die Atmosphäre noch persönlicher macht. Nun geht es in die Tiefgarage. Da steht sie, edel und souverän. Schon im Stand strotzt die neue C6 vor Kraft.

Die Türentriegelung erfolgt schlüssellos, die Türen öffnen mit einem sanften „Klick“. Das Einstellen der Sitze und der Spiegel geht zügig von statten. Nach dem Druck auf den Startknopf rechts neben dem Lenkrad geht die Zündung an, beim zweiten drücken erwachen die 8 Zylinder kaum spürbar zum Leben. Nur ein schwaches schütteln im kalten Zustand ist zu vernehmen. Die Eckdaten der ´06er C6 begeistern: 6.0 Liter Hubraum, 404 PS, 0-100km/h in 4,3 Sek., Ende des Vorwärtsschubes bei 300Km/h. Kalter Schauer fährt mir über den Rücken. Wie wird sie sein? Knallhart und ungezügelt, oder eher zahm und zurückhaltend?

Ja, sie sieht hungrig aus die neue Corvette. Hungrig nach kurvenreichen Straßen mit kurzen Geraden für zackige Sprinteinlagen. Aber noch stehen wir in der Garage. Verdeck manuell entriegeln, Knopf drücken, 18 Sekunden später steht offenem Fahrspaß nichts mehr entgegen. Raus aus der Tiefgarage und ab geht es. Erst durch die Stadt, dann Autobahn. Aus den vier Auspuffrohren brabbelt tiefer, sonorer Bass.

Das von Corvette Europe zur Verfügung gestellte automobile Geschoss, welches mit dem optionalen Magnetic Selective Ride Control Fahrwerk ausgestattet ist, nimmt Fahrbahnunebenheiten ohne Anstrengung auf und lässt die Insassen entspannt dahin gleiten. Kurze Ampelspurts sowie das genussvolle Ausnutzen der grünen Welle bringen Herz und Seele im Einklang. Nur sollte man zwischendurch auch ein Auge für das Head-Up Display haben, da es sonst durchaus Probleme mit den Ordnungshütern in Sachen zulässige Höchstgeschwindigkeit geben kann.

An der nächsten Ampel rechts abbiegen, nun geht es Richtung Autobahn. Kurz beschleunigen und bei 80 Km/h den Fahrtwind genießen. Die 6 Gang-Automatik, welche auch per Paddle-Shift am Lenkrad zu bedienen ist, schaltet sauber und ruckfrei. Sowie links als auch rechts kann mit dem Daumen hoch, mit dem Zeigefinger runtergeschaltet werden. Schaltmuffel wie ich einer bin, werden sich aufgrund des Drehmomentes von 546 Nm erfreuen. So ist auch ein sanftes cruisen bei niedrigsten Drehzahlen ein Genuss.

Letzte Landstrassenetappe kurz vor der Autobahn. Der Blutdruck steigt und ich biege ab zur Auffahrt. Schon auf dem Beschleunigungsstreifen geht der Sturm los. Ging die Vorgänger Corvette C5 schon brachial, ist die Performance mit der aktuellen C6 nicht zu vergleichen. 3., 4., 5. Gang, die Corvette zieht als gäbe es kein Morgen mehr. Proportional steigt auch mein Puls. Das tiefe Brabbeln verwandelt sich in ein aggressives Fauchen.

Rauf auf die ganz linke Spur, kein Fahrzeug in Sicht. Die C6 drückt unaufhaltsam nach vorne. 200, 250, 300 Km/h, der Sturm wandelt sich in einen Orkan. Eine volle Dose Haarspray sollte allerdings stets im Handschuhfach dabei sein falls solche Geschwindigkeiten offen gefahren werden. Der Puls rast und man fühlt sich frei von Raum und Zeit.

Dann folgt auch schon die Kehrseite der Beschleunigung. Ein Fahrzeug zieht auf die linke Spur, will einen Lkw überholen. Der Tacho zeigt 270 Km/h. Da hilft es nur den Anker zu schmeißen. Die Bremsanlage der Corvette beißt derart kräftig zu, man könnte meinen der Asphalt schiebt vorne Wellen wie ein schlecht verlegter Teppichboden. Da macht selbst die Negativbeschleunigung Spaß.

Als wir zur Ausfahrt kommen ist der Pulsschlag nicht gesunken. Die Emotionen schlagen hohe Wogen im Rausch der agilen und austarierten Performance welches die C6 stets gelassen an den Tag legt. Die nachfolgenden Landstrassenetappen wie auch 50 und 30 Km/h Zonen meistert das Gesamtkunstwerk Corvette mit Bravour.

Nach den schnellsten 60 Minuten meines Lebens wieder in der Tiefgarage zurück, will ich nicht mehr aufhören und aussteigen. Meine Emotionen kochten noch immer von der Faszination welches dieses Fahrzeug uneingeschränkt an den Tag legt. Nach einem kurzen Rückblick und einem festen Händedruck versprach ich meinem Instruktor die Anmeldung für ein Corvette Performance Training.

Ein aufregender Tag geht zu Ende in einem unvergesslichen Wagen, der sowohl im Straßenverkehr als auch im Rennsport Geschichte geschrieben hat.

 

 

 

Text & Foto: Jochen Hofknecht

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